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Schwefelwasser-Trinkkur

Neben dem Schwefeleinzelbad, der Schwefelschlammpackung und der Schwefelmoorpackung ist die Schwefelwasser-Trinkkur eine der Anwendungsformen von Schwefelheilwasser zur Behandlung von verschiedensten Beschwerden.

Was ist eine Trinkkur?

Heilwasser-Trinkkuren zählen zu den ältesten Naturheilmitteln. Sie haben sich seit mehreren Jahrhunderten bei der Behandlung kleinerer Beschwerden oder bei ärztlich verordneten Therapien bewährt. Im Schwefel-Heilwasser ist eine Vielzahl von Mineralstoffen und Spurenelementen gelöst enthalten, was eine effiziente Aufnahme und Verwertung durch den Körper unterstützt. Das Ziel von Trinkkuren ist es, den Körper auf natürliche Weise zu entgiften, den Stoffwechsel anzuregen und Organfunktionen zu regulieren. Das führt zu einer Erhöhung der Vitalität und zu einer Erholung des Körpers.

Als Heilwasser wird Schwefelwasser angesehen, wenn dessen Gesamtschwefelgehalt von zweiwertigem Sulfid-Schwefel bei mindestens 1 Milligramm pro Liter liegt. Die Badener Schwefelwasser haben einen Gehalt von knapp 12mg/l freiem Schwefel und zusätzlich einen hohen Mineralgehalt. Sie werden definiert als „Calcium-Chlorid-Schwefel-Mineralthermen“.

Warum gerade Schwefelwasser?

Schon in vorgriechischer Zeit wurde im Orient Schwefelwasser zu Heilzwecken getrunken, inhaliert und als Badewasser benutzt. Es stellt somit die älteste Form der Balneotherapie (= therapeutische Nutzung von Bädern und darin enthaltener Wirkstoffe) dar. Ein Grund dafür ist, dass Schwefelwasser nicht rein eine einfache Lösung einer bestimmten Schwefelverbindung ist, sondern chemisch gesehen ein schwer definierbares und unbeständiges Gemisch vieler Verbindungen bzw. Ionen darstellt, die dadurch eine Fülle an Wirkungsmöglichkeiten enthalten.

Zusätzlich ist Schwefel für den menschlichen Organismus von essentieller Bedeutung, da der menschliche Körper zu 0,25% aus Schwefel besteht. Er ist einer von drei für den Stoffwechsel wichtigen Eiweißbausteinen. Des Weiteren gilt er als „Schmiermittel“ in Gelenken und in den Gelenkskapseln. Ohne diese Schmierung reduziert sich die Mobilität der Gelenke.

Einsatzgebiete und Wirkungen von Schwefelwasser-Trinkkuren

Die Schwefelwasser-Trinkkur wird bei Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparats, bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und zur Unterstützung für die Harnausscheidung eingesetzt.

Beispiele für Indikationen:

  • chronische, entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • chronische Polyarthritis (kontraindiziert im akuten Schub)
  • Weichteilrheumatismus
  • Morbus Bechterew
  • degenerative Erkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule
  • Arthrose und Spondylose
  • Hyperuricämie mit Gichtmanifestation
  • Osteoporose
  • Nachbehandlung von Operationen und Unfällen
  • Wirbelsäulenschmerzen verschiedener Herkunft
  • funktionelle Störungen der Sekretion und Motorik des Magens
  • chronische Gastritis oder Duodenitis (in Zusammenhang mit medikamentöser und diätetischer Therapie)
  • funktionelle Darmstörungen ohne organische Ursachen

Zu der Vielzahl an Wirkungen zählen:

  • die Verringerung chronischer Entzündungen; Folglich kommt es zu Linderung von Schmerzen und Verbesserung der Beweglichkeit im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates.
  • die Anregung der Regeneration des Bindegewebes
  • die Unterstützung der Erneuerung des Knorpels in den Gelenken
  • die Verbesserung der Durchblutung
  • antiallergische Wirkungen und die hemmende Wirkung auf Pilze und Bakterien
  • die Entschlackung und Reinigung des Urogenitaltrakts
  • die Regulierung des Verdauungstrakts
  • die starke Verbesserung des Schutzmechanismus des Körpers gegen die schädigende Wirkung von freien Radikalen
  • die Reduktion der Oxidierbarkeit der LDL-Fraktion des Cholesterins, sodass ein wichtiger gefäßschädigender und gefäßverengender Faktor positiv beeinflusst werden kann.
  • Signifikante Verringerung des Homocystein-Spiegels im Blutplasma, der bei erhöhten Werten zur Schädigung des Herzens und der Blutgefäße führen könnte.

Kontraindikationen:

  • akut fiebernde Zustände
  • schwere Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • akute bösartige Erkrankungen
  • akutes Nierenversagen
  • chronische Durchfälle
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schwangerschaft

Anwendung und Dosierung:
Die tägliche Dosis an Schwefelwasser sollte bei 2-3x 1 Becher (max. 1/4l) zwischen den Mahlzeiten liegen. Der eingenommene Schwefelgehalt sollte dabei 100mg pro Tag nicht überschreiten.

Literatur:

  • Schmidt K.L. Schwefelwässer in Schmidt K.L. Kompendium der Balneologie und Kurortmedizin (1989)
  • Reichert-Freude S. An der Quelle sitzen – Badens Schwefel und seine Bäder (2019)

Die Schwefelwasser-Trinkkur kommt im Gesundheits- und Kurhotel Badener Hof und im Badener Kurzentrum zum Einsatz.

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